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The Smashing Pumpkins

And the embers never fade – The Smashing Pumpkins in Wien

11. Juli 2013 • Bühne1 Kommentar zu And the embers never fade – The Smashing Pumpkins in Wien

2000 war ein schlimmes Jahr: mein 20er Geburtstag stand an, eine Dekade musikalischer Bedeutungslosigkeit war angebrochen, und am 2. Dezember löste sich eine der größten Rockbands der Geschichte mit einem letzten, vierenthalbstündigen Auftritt in Chicago auf. Schon Monate zuvor hatte Sänger Billy Corgan das Ende seines Lebensprojektes angekündigt – ich weiß noch, wie mich die Nachricht an einem drückend heißen Sommertag erreicht und ich mich gefühlt hatte, als wäre soeben ein guter Freund gestorben.

The world is a vampire

Dreizehn Jahre später: Am Mittwoch waren die Smashing Pumpkins, die sich 2005 wiedervereinigt, oder besser gesagt neu gegründet hatten, zu Gast in Wien, von der Urbesetzung ist außer Billy Corgan niemand übrig geblieben. Es ist wieder Sommer, und es ist wieder brütend heiß, als die Band die Bühne der Arena betritt. Corgans Publikum ist mit ihm mitgealtert – Fannachwuchs scheint es kaum zu geben, unverständlich angesichts des genialen letzten Albums Oceania und der schon angesprochenen Bedeutungslosigkeit moderner Rockbands. Doch ein mittelaltes Publikum hat auch seine Vorteile: problemlos kommt man in die ersten Reihen, geschubst wird nicht und anstatt dem schrillen Kreischen junger Teeniestimmen liegt eine gewisse Grundehrfurcht in der Luft. Mitte Dreißigjährige diskutieren Songwünsche, während verlegen ein paar Jägermeister auf die alten Zeiten gekippt werden, nicht zu viele jedoch, denn man muss morgen im Büro sitzen, denn aus den von Billy Corgan in Worte gefassten Träumen tausender Jugendlicher ist dann doch nicht mehr geworden als eine dreißigjährige vierzig Stunden Woche.

The killer in me is the killer in you

Nach den Ärmellos-Posern Bush, die eigentlich nie mehr als einer Vorband hätten sein dürfen, ist es endlich soweit und der Meister betritt die Bühne. Gesprochen wird nicht, dafür geht es gleich los mit ein paar neuen Nummern und einer überraschend guten Version von Starz aus dem einzig schlechten Album der Smashing Pumpkins Geschichte. Ehrfürchtig wird applaudiert, diejenigen, die letztes Jahr beim Wienkonzert dabei waren, bei dem fast ausschließlich unbekanntere Nummern und B-Seiten gespielt wurden, reiben sich überrascht die Augen, dass uns diesmal auch die Hits gegönnt werden. Und dann ist es endgültig vorbei, als mit Disarm und Tonight, Tonight zwei der größten Hymnen hintereinander gespielt werden, wie es die Band schon früher manchmal sogar als Eröffnungsnummern zu tun pflegte, und ab diesem Zeitpunkt müssen sogar gestandene Männer weinen, in Erinnerung an die vielen einsamen Nächte, in denen Billy Corgan der einzige war, der sie verstanden hat. Getröstet werden sie auch heute von ihm, der plötzlich sogar mit dem Publikum spricht – ja sogar minutenlang herumscherzt und über die Klimt-Tätowierung der Bassistin diskutiert. Dieser fast schon alte Mann des Alternative Rock steht unter Wiens sternenklarer Nacht, in die er immer wieder fragend blickt, wie um sich die Erlaubnis zu holen, sein Schaffen mit uns zu teilen, und feiert den fünfundzwanzigsten Geburtstag seines Lebenswerkes. Es folgt alles: Ava Adore, Stand Inside Your Love, Zero, Bullet With Butterfly Wings, aufgelockert von den grandiosen Nummern des neuen Albums. Billy Corgan stolziert gebückt über die Bühne und hält sich für den größten Musiker auf dieser Erde, womit er eine relativ realistische Selbsteinschätzung an den Tag legt, denn eigentlich ist die pure Anzahl an legendären Pumpkins Songs fast schon eine Demütigung.

Today is the greatest

Nach Today ist der Abend dann schließlich beendet und man geht noch auf ein Falafelsandwich, denn zwei Stunden stehen muss in dem Alter auch erst einmal ausgehalten werden. Doch es hat sich ausgezahlt – auch wenn wir alle im Publikum nicht mehr die sind, die wir einmal waren vor vielen Jahren, als die Smashing Pumpkins groß geworden sind und das gesagt haben, wozu wir nie imstande waren, so sind wir doch immer noch hier, um zumindest einen Abend lang wieder träumen zu dürfen.

Andreas Rainer

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Eine Antwort auf And the embers never fade – The Smashing Pumpkins in Wien – Verstecken

  1. Didi sagt:

    Als wären es meine eigenen Worte…
    Hätte ich einen Artikel über das Gefühl beim Smashing Pumpkins Konzert schreiben müssen, genau das wäre dabei rausgekommen!

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