Kultur – Musik

Amadeus

Amadeus Awards 2010

17. September 2010 • Musik

In der Wiener Stadthalle (Halle D in Mini-Version) feierten ungefähr anderthalbtausend Zuschauer und die österreichische Musikindustrie die Verleihung des seit letztem Jahr stark modifizierten Amadeus. Stadtbekannt was there.
Dass ein wenig (Selbst)Ironie bei einem derartigen Preis nicht ganz unangenehm ist, haben die Herren Projekt X Hauptprojektleiter Haipl, Knötzl und Votava ja regelmäßig bei der Verleihung des FM4-Awards bewiesen. Diesmal verpflichtete man Michael Ostrowski, der sich die Figur „Schallbert Gilet“ dafür ausdachte, ein leicht schwindliger Schlagersänger mit Pepi (auch Perücke genannt) der, unterstützt vom Heimorgelorchester, durch den Abend führte. Manchmal eh zum Schmunzeln, meistens (gewollt) platt. Ein paar Seitenhiebe Puls 4 gegenüber, die den Abend ein wenig verspätet ja übertrugen, ein wenig Schlager-Sangeskunst, ein paar Pointen – im Großen und Ganzen wie auch der Rest der Veranstaltung eher harmlos. Einen Karl hat er sich gemacht, der Ostrowski.
Über die Entwicklung des Amadeus haben wir mit Pate Records Chef und Amadeus-Mitbegründer Mario Rossori an dieser Stelle ja bereits diskutiert: ein Publikumspreis per Online-Voting. Dass das Vor- und Nachteile hat ist unbestritten. Wer die meisten Fans mobilisiert, jede Woche zu klicken geht ergo mit der Glaskugel nach Hause.
Zu den Gewinnern: dass der Fm4-Award (vom Projekt X minus Votava in gewohnter Manier verliehen) an Camo&Crooked gehen würde, war ja bereits von Fm4 angekündigt worden. Letztere performten dann auch, zusammen mit BOON und den jungen Zillertalern eine Crossover-Performance, in der Boon’s „Right Now“ auf drei doch recht unterschiedliche Arten interpretiert wurde. Apropos Boon, diese gingen leider leer aus, einerseits weil Kontrust den Preis für den besten Heavy-Act mit nach Hause nahm, andererseits weil der „Best Song“-Award an Skeros „Kabinenparty“ ging. Anna F. nahm auch gleich mehrere Awards mit nach Hause und performte ihren Song „Jimmy Page“. Das dürfte Herrn Page zwar recht kaltgelassen haben, hätte er sich die Amadeus Awards auf Puls 4 angeschaut, war aber nicht weiter störend; ob Anna Fs (laut Ostrowski ist die Halle F nach ihr benannt) Debütalbum aber wirklich das beste Album des Jahres ist, sei dahingestellt.
Der World/Jazz/Blues Award ging an Hans Theesink, der gerade in England auf Tour ist und deswegen den Preis von seiner Frau in Empfang nehmen ließ, der Preis fürs Lebenswerk an Geiger Toni Stricker (überreicht von Marianne Mendt) und den „Best Live Act“ Award gewannen, völlig verdient, Bauchklang, die mit einer gewohnt fabelhaften Performance begeisterten. Ein sichtlich gelangweilter SEAL stellte seine neue, furchtbar langweilige Single vor und Skero zelebrierte mit Tänzerinnen und Akrobaten seine Kabinenparty.
Und weil wir keine Helden von morgen brauchen, sondern welche sind, performten zu guter Letzt „Wir Sind Helden“ eine Akustik-Version ihrer aktuellen Single „Alles
Dann war der offizielle Spuk vorbei und die Aftershowparty nahm ihren Lauf, für viele wahrscheinlich ohnehin das Essentielle am Event. Sich gratis betrinken, Kontakte pflegen oder knüpfen, sehen und gesehen werden, übers Geschäft diskutieren oder sich für Paarungsrituale anbieten: so ging der Amadeus 2010 zu Ende.
 

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