Kultur

(c) Ai Weiwei - Kunsthaus Bregenz
(c) Ai Weiwei - Kunsthaus Bregenz

Ai Weiwei – Art / Architecture

8. August 2011 • Kultur

Kaum ein anderer Künstler ist so für sein sozialpolitisches Engagement bekannt wie der chinesische Künstler Ai Weiwei. Für dieses Engagement wurde der Künstler von April bis Juni 2011 an einem geheimen Ort festgehalten und nur nach dem Eingestehen der Steuerhinterziehung sowie der Zahlung einer hohen Kaution freigelassen. Aufgrund dieser aktuellen Umstände und der Wichtigkeit des Künstlers im internationalen Kunstkontext schauen wir ausnahmsweise nach Vorarlberg – genauer auf das Kunsthaus Bregenz, das in seiner Ausstellung über Ai Weiwei den Fokus auf das Verhältnis zwischen Architektur und Kunst legt.

Feingliedrige Architekturmodelle, ein riesiges Holzmodell in Spielzeug-Optik und eine Serie minimalistischer Skulpturen – die Arbeiten des Künstlers Ai Weiwei, die aktuell im Kunsthaus Bregenz präsentiert werden, legen den Schwerpunkt auf das Thema Architektur. Es ist im Gesamtwerk Ai Weiweis ein eher unterrepräsentiertes Thema, obwohl der Künstler im Laufe seiner Betätigung bereits über 60 Architekturprojekte realisiert hat. Da er selbst keine Ausbildung als Architekt besitzt, sind es in der Regel Kooperationen mit Architekturbüros, in denen Weiwei als künstlerischer Berater zur Seite stand.

Für den Direktor des Kunsthaus Bregenz Yilmaz Dziewior war früh klar, den Fokus der Ausstellung auf die Architekturarbeiten des Künstlers zu legen. Das von Peter Zumthor entworfene Ausstellungshaus bilde den passenden Rahmen, außerdem sei der Standort Vorarlberg bekannt für seine progressive zeitgenössische Architektur, so der Kurator in einem Interview. Ai Weiwei, der von Anfang an stark in die Konzeption eingebunden war, konzipierte so auch die Präsentation der Projekte speziell für das Kunsthaus Bregenz.

Verhältnis zwischen Kunst und Architektur

Das Konzept der Ausstellung folgt einer bestimmten Dramaturgie: folgt man der Besichtigung von unten nach oben, werden die ausgestellten Arbeiten zunehmend abstrakter. Im ersten Stock werden ausgewählte Kollaborationen Ai Weiweis mit verschiedenen Architekturbüros in anschaulicher Weise präsentiert. Unter diesen befindet sich auch das Schweizer Büro Herzog & de Meuron, mit welchem Weiwei mehrmals zusammenarbeitete. Deren bekannteste Arbeit, das Stadion für die Olympischen Spiele in Peking, ist als Modell ausgestellt. Daneben sind auch Videoarbeiten präsent, wie etwa die Dokumentation des Abrisses seines Ateliers in Shanghai, das erst kurze Zeit zuvor fertig gestellt wurde.

Im zweiten Stock fällt der Blick sogleich auf ein riesiges Modell aus Holz, das viele kleinere Modelle von Bauten subsumiert. Ai Weiwei entwarf das Modell, das in profunder Handarbeit hergestellt wurde und auch für sich alleine als Skulptur stehen könnte, extra für die Bregenzer Ausstellung. Es repräsentiert das Projekt ORDOS 100, das der Künstler im Jahr 2008 ins Leben gerufen hat: in Rahmen dessen beauftragte er Herzog & de Meuron 100 junge Architekturbüros einzuladen, je ein Familienhaus in der mongolischen Steppe zu gestalten. Die Innere Mongolei ist bekannt für ihre großen Vorhaben an Kohle, Erdgas und Kaschmir – durch das Wirtschaftswachstum siedeln sich immer mehr Menschen dort an. In Diskussionsrunden und Panels erörterten die eingeladenen Büros gemeinsam mit Ai Weiwei Strategien und Vorhaben zu dem Projekt – eine Form sozialer Interaktion, die von eminenter Bedeutung für Weiweis Arbeit im Generellen ist. Die ausgearbeiteten Konzepte und Pläne der jeweiligen Büros sind an den Wänden des zweiten Obergeschoßes angebracht und dokumentieren die breite Vielfalt der Projekte. Das Vorhaben wurde allerdings nicht realisiert.

Im obersten Geschoss ist schließlich die Arbeit Moon Chest aus dem Jahr 2008 ausgestellt, die – am offensichtlichsten den Bogen zur bildenden Kunst spannend – die Ausstellung beschließt. Einerseits klassische Skulptur der Minimal Art, erinnert sie in ihrer Ästhetik gleichzeitig an die Form von Hochhäusern.

Soziale Interaktion als wichtiger künstlerischer Bestandteil

Gerade die Architekturkollaborationen stehen exemplarisch für das sozialpolitische Engagement des Künstlers. Insbesondere die Architektur verlangt nach Interaktion, da sie nie für sich alleine stehen kann. Wie kaum eine andere Disziplin muss sie die Gegebenheiten ihrer Umgebung (wie auch die Anforderungen des Besitzers oder der Behörden) miteinbeziehen. Deswegen sind Diskussionen, Verhandlungen und persönlicher Einsatz insgesamt wichtige Komponenten in Ai Weiweis Arbeit, in seinem künstlerischen Oeuvre gleichermaßen wie auch in seinem politischen Engagement.

Letzteres bezieht sich insbesondere auf die politische und soziale Realität in seiner Heimat China. Immer wieder kritisiert Weiwei die Verstöße gegen die Menschenrechte, die wirtschaftliche Ausbeutung und die Umweltverschmutzung. Für dieses Engagement war er seitens der Regierung regelmäßigen Repressionen ausgesetzt. So etwa 2009, als Weiwei als Zeuge für den Autor und Aktivisten Tan Zuoren aussagen wollte. Zuoren recherchierte über den Einsturz von Schulgebäuden in Sichuan, bei dem aufgrund von Korruption und Schlamperei zahlreiche Kinder ums Leben kamen. Bei einem Polizeieinsatz erhielt Ai Weiwei einen Schlag auf den Kopf – eine Hirnblutung war die Folge. Der vorläufige Höhepunkt war am 3. April dieses Jahres erreicht: Der Künstler wurde verhaftet und bis zum 22. Juni an einem unbekannten Ort festgehalten. Nur gegen das Eingeständnis der Steuerhinterziehung und eine Kaution wurde er schließlich freigelassen, bekam aber ein Reise- und Redeverbot auferlegt.

Auf diese Umstände Bezug nehmend, schufen mehrere Künstler, darunter Olafur Eliasson, Jenny Holzer und Barbara Kruger, Arbeiten, die auf den Billboards an der Bregenzer Seestraße angebracht sind und die auf die politischen Repressionen gegen Ai Weiwei hinweisen.  (Barbara Pflanzner)

Ai Weiwei – "Art/Architecture"
Kunsthaus Bregenz
16.07. – 16.10.2011

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr
Donnerstag: 10:00 – 21:00 Uhr

20.07. bis 21.08. täglich 10:00 – 20:00 Uhr
Mariä Himmelfahrt 15.08.: 10:00 – 20:00 Uhr

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Kunsthaus Bregenz

Karl-Tizian-Platz
6900 Bregenz
+43 5574 48594-0
http://www.kunsthaus-bregenz.at

Dienstag – Sonntag 10 – 18 Uhr
\r\nDonnerstag 10 – 21 Uhr
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\r\n20.07. bis 21.08. täglich 10 – 20 Uhr
\r\nMariä Himmelfahrt 15.08. 10 – 20 Uhr

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