Lifestyle – Skurriles

(c) mikebause - Fotolia.com
(c) mikebause - Fotolia.com

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

2. Dezember 2012 • Skurriles

Mit Freudentränen in den Augen stellen wir wie jedes Jahr aufs Neue höchst überrascht fest, dass die lang ersehnte Adventzeit wieder Einzug hält. Rührselig und demütig ob des 2012. Jahrestages von Christi Geburt versammeln wir uns, um bei bedächtigen Klängen – und vielleicht den ersten Vanillekipferln – das erste Kerzlein am hoffentlich von eigener Hand liebevoll gesteckten Kranz anzuzünden. Wie ihr den Advent so stimmungsvoll wie möglich verbringen könnt, weiß stadtbekannt.

Seien wir doch ehrlich: Einen festlichen Freudentag wie diesen nur damit zu begehen, sich mit den Liebsten – und dem obligatorischen Adventkranz in der Mitte – zum Dinieren zu treffen und dabei das Radio einzuschalten, um jenen Künstlern zu lauschen, die uns auch dieses Jahr wieder nicht enttäuschen und die alten, wohl bekannten Klassiker entgegen schmettern werden, wäre ein wenig zu wenig. Gibt es doch einige Möglichkeiten, den 1. Advent sowie auch die unweigerlich darauf folgenden Adventsonntage ein wenig aufzupeppen.

Beschaulichkeit I – Am Weihnachtsmarkt.

Wozu samstags einkaufen und dann mühevoll Essen zubereiten, wenn man sich doch an einem der unzähligen Weihnachtsmärkte laben kann? Besonders empfehlenswert ist hier ein Besuch des gemütlichsten aller Märkte, nämlich der Perle der Beschaulichkeit vor dem Wiener Rathaus. Hier kann der Besucher zu unglaublich fairen und auch für das kleine Geldbörsel geeigneten Preisen richtig gut essen, eine ausladende Mahlzeit wie etwa ein mit gehacktem Toastschinken gefülltes Kartöffelchen kommt auf sicher nicht mehr als geschätzte 7,- Euro.

Mit dieser Delikatesse im Magen kann noch ein Häferl Zucker um einen ebenfalls durchaus leistbaren Preis erstanden werden, um der natürlichen Verdauung ein wenig entgegen zu wirken. Schlendert man dann in aller Ruhe zwischen den Ständen des nie hektischen und allem Kitsch und Tand trotzenden Marktes herum, wird einen das erste weihnachtliche Gefühl beflügeln.

Beschaulichkeit II – In der Innenstadt.

Wird es dann doch zu kalt, und überwältigt einen die euphorische Vorfreude ob des Tanzes der Schneeflöckchen, der ja besonders in Wien mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Weihnachtsstimmung jedes Jahr noch zusätzlich hebt, kann man sich wieder auf den Weg nachhause machen – nach kurzen Abstecher in die Wiener Innenstadt, die sicher wieder so hübsch wie nur möglich dekoriert wurde. Als etwas ganz Besonderes kann man hier die bombastischen roten Bommel entlang der Rotenturmstraße vermerken, eine Mischung aus Chinatown- und Freudenhaus-Flair. Doch auch überdimensionale, Trompeten blasende Engelchen sind ein Augenschmaus. So schlängelt man sich dann hindurch durch strahlende Touristengesichter, hört ab und an ein verzücktes „aah“ und „ooh“ und freut sich mit.  

Beschaulichkeit III – Im Wohnzimmer.

Nun aber wirklich ab nachhause, schließlich will man den Kranz genießen. Der Christbaum wird ja traditionsgemäß noch nicht unbedingt am 1. Adventsonntag aufgestellt, da das Aufstellen und Aufputzen aber eine derart aufwändige Arbeit ist, sollte man dieses Prozedere ein wenig vorverschieben dürfen – schließlich wäre es auch schade um die ganzen glitzernden Kugeln, die sonst das ganze Jahr über im Keller vor sich hin vegetieren und darauf warten, endlich wieder ihre Besitzer mit ihrem Glanz erfreuen zu dürfen. Verliert der Baum zu schnell die Nadeln und verwandelt das Heim in eine pieksende Hölle, kann man ja einfach einen neuen Baum holen. Ein künstlicher wäre zwar rein theoretisch eine Option, aber es gibt ja noch genug Wälder in Österreich, also wozu nicht gleich in die Vollen gehen.

Hat man also das Bäumlein schlussendlich aufgestellt, kann man sich als nächsten Programmpunkt nun der musikalischen Beschallung widmen, zu der es sich dann erquickt um den Baum herum tanzen lässt. An dieser Stelle sei „Last Christmas“ von Wham empfohlen, ein Lied, das vermutlich viele noch nicht kennen werden, dessen Kennenlernen sich aber auf alle Fälle auszahlt. Da es schwer zu finden ist, und auch nur auf besonderen, ausgewählten Radiosendern hin und wieder gespielt wird, dürft ihr euch des Links weiter unten erfreuen.

Das große Finale.

Nach ausgiebigem Tanzen könnte man sich dem gemeinschaftlichen Backen widmen und während des Ausrollens des mit geschätzten fünf Kilo Butter und Zucker verfeinerten Teiges bereits die Entsorgung jener „Pfunde“ und „Röllchen“ diskutieren, die während und nach der Adventzeit aus unerfindlichen Gründen Hochkonjunktur um diverse Bäuche und Schenkel haben. Die noch warmen Kipferl und Plätzchen bereits in rasender Geschwindigkeit verspeisend, kann man sich nun vor dem Fernseher niederlassen – sofern der etwa drei Meter hohe und fünf Meter breite Baum noch Platz lässt – und sich einem All-Time-Klassiker unter den Weihnachtsfilmen widmen: „Kevin allein zuhaus“ vermag einem auch nach dem zwanzigsten Mal noch Tränen der Rührung in die Augen treiben – das arme, kleine Bürschchen ganz alleine, und das zu Weihnachten!

Und wenn sich jene Tränen der Rührung mit Tränen des Schmerzes mischen, weil sich der Adventsonntag doch seinem Ende nähert, seid getröstet: Der nächste Advent steht quasi schon vor der Tür.

(Eva Felnhofer)

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »