Kultur – Musik

The-Smashing-Pumpkins

Abschied von unendlicher Traurigkeit: Oceania – The Smashing Pumpkins

6. Juli 2012 • Musik

Ich pisse auf Radiohead“ – Billy Corgan weiß ganz einfach, wie man sich Freunde macht und schickte diese freundlichen Grüße unlängst in einem Interview an die Kollegen aus Oxford. Falsche Bescheidenheit war auch nie seins, der mittlerweile 45-jährige hält sich zweifellos für einen der größten Musiker, die jemals auf diesem Planet gewandelt sind. Der Unterschied zu anderen größenwahnsinnigen Vertretern seiner Zunft: Er könnte damit recht haben.

Fünf Jahre nach dem Erscheinen des gefloppten Reunion-Albums „Zeitgeist“ wurde dieser Tage das neue Album „Oceania“ zum Verkauf freigegeben. Ganz Corgan-gerecht wird dieses von wirren Ankündigungen begleitet: Oceania soll einen Teil des 44 Songs umfassenden Gesamtkunstwerks „Teargarden by Kaleidyscope“ darstellen. Ganz einfach nur ein normales Album veröffentlichen wäre offenbar zu langweilig. Billy Corgan lässt man all das jedoch durchgehen, weil er uns damals, in lang vergangenen Tagen der Jugend, ein ums andere Mal das Leben gerettet hat.

Berg- und Talfahrt

Was haben Pumpkins-Fans seit der Auflösung der Band leiden müssen: Nach einem großartigen Zwan-Album samt legendärem Auftritt am Nuke Festival ging es bergab mit Corgans Schaffen. Vor der Reunion der Smashing Pumpkins lieferte der Sänger noch einen durchwachsenen Gedichtband und ein skurriles Soloalbum ab. Corgan, der unter der Tatsache der immer desinteressierteren Öffentlichkeit und Presse schwer gelitten hatte, ging auf Nummer sicher und schaltete auf eigene Kosten eine ganzseitige Anzeige in der Chicago Tribune, damit auch kein Fan die frohe Kunde Wiedervereinigung verpassen musse.

Running out of present tense

Auf „Oceania“ entdeckt Billy Corgan seinen alten Sound glorreicher Tage wieder und interpretiert diesen neu. „Pinwheels“ klingt wie eine langsame „Mellon Collie“ Nummer, „Violet Rays“ erinnert an die „Adore“ Zeit und „One Heart“ könnte aus der viel zu kurzen Zwan Ära stammen. Corgan kann als 45-jähriger natürlich nicht mehr auf die kalte, brachiale Aggression zurückgreifen, die das Benzin für seine frühere Musik war. Stattdessen setzt er heute auf eine hauchzarte Melancholie, wie jemand, der am letzten Abend eines endlosen Sommers noch einmal einen Blick hinaus wirft und dann mit einem leisen Seufzen die Tür schließt. Hoffen wir, dass Billy Corgan sie nächstes Jahr noch einmal aufmacht.

Andreas Rainer

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