Kultur – Musik

(c) David Murobi
(c) David Murobi

30 Jahre WUK Musik

30. September 2011 • Musik

Mit dem WUK feiert einer der essentiellen und umfassendsten Kulturräume dieses Landes seinen 30. Geburtstag. Im Rahmen der einwöchigen Geburtstagsfeierlichkeiten, zeigt das Musik-Team des WUK eine Auswahl an Fotografien über das, was in den letzten drei Dekaden musikalisch im Hause so passiert ist. Und das ist, wie nicht schwer vorzustellen, eine ganze Menge.

30 Jahre…

Es ist früher Nachmittag, als wir Hannes Cistota und Daniel Eberharter in ihrem Büro besuchen. Im idyllischen Hof des WUK herrscht eine geschäftige Stimmung, nicht zuletzt deshalb, weil einerseits die Feierlichkeiten anstehen (dreißig Jahre wird das WUK alt) – andererseits auch, weil mit dem Ende des Sommers ja auch wieder einiges ansteht, nicht nur in punkto Musik. Hannes und Daniel sitzen in ihrem loftartigen Büro, die Wände mit signierten Konzertpostern und Fotos behangen. Unter anderem mit einem signierten Foto von den White Stripes, die vor Jahren, kurz bevor sie so richtig explodiert sind, im WUK zu Gast waren.


Daniel Eberharter und Hannes Cistota vom WUK Musik-Team vor Ort.

Im Sommer ist es für Clubs natürlich eine schwierige Sache, erzählt Hannes. Einerseits, weil sich das „Band anschauen gehen“ natürlich auf die vielen Festivals konzentriert und weil die Bands, die auf Festivals spielen natürlich auch Verträge bekommen, in denen andere Shows in diesem Zeitraum exklusiv ausgeschlossen werden, andererseits weil es bei schönem Wetter verständlicherweise auch nicht immer verlockend ist, den Abend drinnen zu verbringen. Was aber nicht heißt, dass im WUK im Sommer musikalisch nichts passiert – ganz im Gegenteil: mit den „Platzkonzerten“ rief man eine sehr abwechslungsreiche und sehenswerte Konzertreihe von heimischen Bands ins Leben. So gaben sich diesen Sommer beispielsweise Ernesty International, Bernhard Eder, Harlequin’s Glance oder die Freischwimma im Hof des WUK die Ehre, und wenn es zu regnen begann (was unter anderem bei den Freischwimman passierte), dann fand das Konzert eben im Foyer statt.

Fotoretrospektive, von Melvins bis Fuckhead.

Der Sommer ist jetzt aber vorbei, und die reguläre Saison beginnt wieder. Weil das WUK dieses Jahr dreißig Jahre alt wird, und so ein runder Geburtstag natürlich gefeiert gehört, blickt unter anderem eine Fotoausstellung auf dreißig Jahre Musik zurück. Eine Fotoretrospektive, die aufzeigt, wie vielschichtig und genreübergreifend im WUK Musik passiert. Natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber mit Liebe aus den Archiven verschiedenster Fotografen rausgesucht und einen schönen Überblick bietend. In ihren Fotoarchiven gewühlt haben Christian Fischer und Robert Newald, beide vom Standard, David Murobi (davnull), Niko Ostermann (Gap/FM4), Mona Hermann, Thomas Reitmayer (GLW/DRK), Matthias Hombauer und nicht zuletzt auch Daniel Eberharter vom WUK Musikteam selbst, den viele sicher auch von seiner Arbeit bei FM4 kennen.

Von den Melvins bis Fuckhead, von After Aids bis zu den Grizzly Bears. Im WUK wird das Programm, das kommt aus unserem Gespräch wunderbar heraus, ohne allzu viele Genre-Gedanken programmiert, dafür mit jeder Menge Liebe zu guter Musik – und ein Blick ins Herbstprogramm (dazu später mehr) unterstreicht das.


Iron & Wine live im WUK. Foto (c) Matthias Hombauer.

Das WUK als Kulturraum

Wie programmiert das WUK Musik-Team also, frage ich – und gibt es etwas, das gar nicht geht? Prinzipiell, erzählt Hannes Cistota, geht es in erster Linie darum, ein abwechslungsreiches und hochwertiges Programm zu bieten, stilistische Vorgaben sind da fehl am Platz. Kritisch wird’s nur, wenn es um problematische Inhalte irgendwelcher -ismen und -phobie geht (siehe zum Beispiel die in diversen Genres nicht unverbreitete Homophobie), diese stellen dann durchaus einen Grund dar, etwas nicht stattfinden zu lassen. Sonst: erlaubt ist, was gefällt. Das WUK, da sind wir uns einig, ist das perfekte Bindeglied zwischen Clubs und größeren Hallen, wie dem Gasometer. Und das, so Cistota, ist durchaus ein Vorteil: „Das ist so wie bei den White Stripes: die haben bei uns gespielt, und sind dann kurz danach dermaßen groß geworden und in größere Hallen gegangen.“ Und so gern wie das WUK die Bands zu Gast hat, so gern kommen diese auch immer wieder.

Als alternativer Kulturraum ist das WUK natürlich auch auf Subventionen seitens Stadt/Staat angewiesen – was nicht einfach ist. „Die sogenannte E-Musik, die Klassik, wird in Österreich sehr gefördert. Das ist natürlich auch gut und wichtig, ich werte das gar nicht. Bei Popmusik ist das schon viel schwieriger“, erzählt Hannes.

Und doch, 30 Jahre sind erfolgreich bestritten, es geht ab ins 31. Lebensjahr und das mit einem großartigen Programm:

Der Herbst

Jetzt, wo der Sommer endgültig vorbei ist, geht der „normale“ Betrieb für das WUK Musikteam also wieder los, und das Publikum darf sich wieder auf viele tolle Konzertabende freuen. Von der Jazzwerkstatt bis zum Dschungelorchester, von Son Of The Velvet Rat bis zu Sparrow & The Workshop (eine Band, die Daniel – so erzählt er – während seiner Zeit in Glasgow kennen- und schätzen gelernt hat), Makossa & Megablast, Helgi Jonsson, Joy Denalane und natürlich Scott Matthew – auf den freuen sich die beiden ganz besonders, wie sie mir fast unisono erzählen.

Alles Gute zum Geburtstag!

Wie viele habe ich Tonnen von guten Erinnerungen, die ich mit dem WUK verbinde. Sommer im Innenhof mit tollen Platzkonzerten, Releaseparties von befreundeten Bands und Konzerte wie die von Therapy, Joanna Newsom und viele, viele mehr. Nicht zu vergessen das FM4-WM Quartier, das auch beim nächsten Großereignis wieder stattfinden wird. Für genaue Informationen, was diesen Herbst so ansteht, sei ein Besuch auf der WUK-Homepage empfohlen. Wir danken Daniel Eberharter und Hannes Cistota fürs Gespräch und wünschen einen frohen Dreißiger!

Flyer – Foto von Fuckhead (c) David Murobi

Die Ausstellung zu 30 Jahren WUK findet vom 4.10. bis zum 9.10. statt, die Vernissage um 3.10. ab 19:00 Uhr im WUK Foyer.

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

, , , ,

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »