Kultur – Musik

3fs

3 Feet Smaller

23. Oktober 2013 • Musik

Alles brennt.

Vienna is burning and they live by the river: Düster geht´s zu auf dem Album der österreichischen Punkrock-Institution 3 Feet Smaller. Ein durch einen Filter gespielter Beat eröffnet das selbstbetitelte Album, ehe die wunderschön fett produzierten Riffattacken 3FS zeigen, wie sie düsterer, und musikalisch besser, nie waren. Eröffnet wird mit einer Dystopie, in dem Wien und überhaupt alles zu brennen beginnt, die New World Order in den Starlöchern steht und prinzipiell überhaupt nichts mehr stimmt. „Vendetta is turning / the emptiness will slave us forever“. Wir hätten schon fliehen sollen, haben wir aber nicht.

Viel bessere Laune ist auch bei „Déjà Vu“ nicht im Spiel: zigtausende Liebeslieder, im Grunde alles verlogene Scheiße. Und brichst du mir das Herz, breche ich dir das Gesicht. Oder am besten kille ich dich gleich. Mhm, kommt so vor. Platt, geschmacklos? Ja, ein bißchen schon. Auch Wörter wie „faggots“ (im Kontext „politicians dressed like faggots“) oder „gay“  finde ich halt ein wenig, wie soll ich sagen, unnötig. Für so was halte ich die Herren für zu smart. Achja, Ferris MC ist auch mit an Board bei "Lead Or Follow".


Antidepressiva und Panikattacken

Einen sonnigen Gemütszustand dürfte man nicht gehaben, als man das Album schrieb. Panikattacken, Selbstzweifel, Depressionen – das Gefühl dass man es schon ordentlich verkackt hat, die Pillen die man sich beherzt reingeschmissen hat. Songtitel wie „On My Own“ (ein Zweiteiler), „Panic Attack“ oder „God Bless Antidepressants“ sprechen für sich. Ehrlich, ich steh der Platte ambivalent gegenüber. Musikalisch ist das tadellos, toll produziert und Respekt muss man für 3 Feet Smaller ohnehin allein schon für ihre Kontinuität folgen. Und die meisten Texte treffen diverse Gefühle, vor allem die Unschönen, schon ziemlich gut. Wer schon mal Panikattacken oder Depressionen hatte, weiß dass das jene Gedankengänge, so simpel  sie auch manchmal formuliert sein mögen, schon ganz treffend beschrieben werden. Trotzdem wird´s an manchen Strecken dann schon auch ein wenig platt.

Fazit
Eine fett produzierte, düstere Platte einer prinzipiell tollen Band die schon recht tief in der Psyche gräbt. Tod, Selbstzweifel, Panikattacken, Meds aber auch Trotz und Dankbarkeit. Musikalisch toll, textlich nicht immer meins.

Markus Brandstetter

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