Kultur

Stephansdom Wienblick (c) STADTBEKANNT
Stephansdom Wienblick (c) STADTBEKANNT

120 Millionen Euro für ein Bild

3. Mai 2012 • Kultur1 Kommentar zu 120 Millionen Euro für ein Bild

Munch’s Schrei, eines der bekanntesten und meist persiflierten Gemälde der Welt, wurde gestern für einen Rekordpreis versteigert: 119,9 Millionen Dollar legte der anonyme Bieter auf den Tisch. Doch wie kommen solche astronomischen Preise zu Stande – und was bedeuten sie für die Kunstwelt?

Liest man in Zeitungen etwas über Kunst, so kann man davon ausgehen dass wieder einmal ein Preisrekord gebrochen wurde: die sich mit Superlativen überschlagende Presse lechzt offenbar nach diesen Ziffern, die mit der künstlerischen Relevanz des entsprechenden Werks entweder kaum übereinzustimmen scheinen oder an denen eben jene Relevanz gemessen werden soll. Liest man dann also die Pressemeldungen und die Artikel in den Tageszeitungen, die sich dem Rekordergebnis widmen, so findet man hauptsächlich Vergleichszahlen – was war bisher das teuerste, welches Gemälde wurde in Privatgeschäften noch höher gehandelt?

Le dernier cri

Hat Kunst für uns zwar in erster Linie – Materialwert einmal außen vor gelassen – einen ideellen Wert und wird für ihren ästhetischen oder geistigen Gehalt von uns geschätzt, so führen viele Kunstwerke noch ein anderes Leben, nämlich das Leben am Markt, als tauschbares Gut, als Investitionsobjekt und Wertanlage – und eigentlich logisch, dass über das Bild selbst, wenn es zur Ware wird, außer über dessen Provenienz, kaum ein Zeitungsartikel ein Wort verliert. Der künstlerische Wert der Bilder ist schließlich nicht wichtig, wenn es um Investment geht – und in diesen Zeiten sind vermeintlich krisensichere Anlagemöglichkeiten wie Kunstwerke offenbar beliebter als der Finanzmarkt.

Dass Preis mit künstlerischer Qualität oder Relevanz nur in einem sehr losen Verhältnis steht sollte sich zwar schon herumgesprochen haben, dass sich allerdings in der täglichen Medienwelt die Kunst-Berichterstattung auf aufsehenserregende Auktionsergebnisse beschränkt führt bei Lesern und Leserinnen nicht etwa zu der Erkenntnis, dass unsere ästhetische Wahrnehmung von Kunstwerken und unser Verständnis von Kunst durch den Filter des Marktes beeinflusst wird, sondern nur dazu, dass der geneigte Museumsbesucher erst auf den Preiszettel schaut, bevor er sich mit einem Kunstwerk auseinandersetzt. (R. Dillhof) 

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  1. jacques chateau sagt:

    Guter Artikel
    Sehr gut auf den Punkt gebracht. Würde hier gern öfters solche Kolumnen lesen.

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